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Ein ISP stellt den Betrieb ein – was nun?

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Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass ein Internet Service Provider (ISP) den Betrieb einstellt. Es gibt einige prominente Beispiele – mir fällt immer lycos.de ein, das Mitte Februar 2009 vergleichsweise plötzlich für immer seine E-Mail-Pforten schloss.

Meistens stecken wirtschaftliche Gründe hinter der Entscheidung, einen Dienst einzustellen. Viele Freemail-Provider schaffen es einfach nicht, die Nutzung profitabel durch Werbung zu finanzieren oder genügend Nutzer für ihr Bezahlangebot zu begeistern. Es kommt aber auch vor, dass ein großer ISP einzelne Domains abschalten möchte, z.B. aus Zukäufen von unprofitablen Providern.

Aktuell sehen wir eine solche Situation in Frankreich bei dem größten lokalen ISP orange.fr. Dieser wird zum 12. Januar 2016 den Mailservice unter der Domain voila.fr einstellen. Sämtliche Orange-Kunden, die bislang eine E-Mail-Adresse @voila.fr besaßen, besitzen heute schon eine E-Mail-Adresse @orange.fr.

Wie können Sie als Marketer eine solche Information nutzen?

Vorab, ändern Sie bitte nicht sämtliche in ihrer Datenbank befindlichen E-Mail-Adressen einfach von voila.fr auf orange.fr! Für solche Adressen fehlt ihnen nämlich der sogenannte Opt-In-Nachweis. Der Versand an solche Adressen wäre nicht erlaubt, auch wenn sich der User zuvor per Double-Opt-In über eine voila.fr-Adresse angemeldet hat.

Sie sollten vielmehr dieses noch in der Zukunft liegende Ereignis nutzen, um aktive Nutzer dauerhaft an sich zu binden. Die Tatsache, dass Orange die Schließung des Services für voila.fr-Adressen ankündigt, bedeutet nämlich nicht, dass auch jeder Ihrer Empfänger dies weiß, oder die Konsequenzen begreift. Selektieren Sie also die Adressaten mit der Domain voila.fr, und erklären Sie ihnen in einer speziell aufgesetzten Kampagne die Folgen. Seien Sie nüchtern, und erläutern Sie, was passiert, wann es passiert und – ganz wichtig! – wo der Empfänger in Ihrem Portal die E-Mail-Adresse aktualisieren kann. Idealerweise enthält diese E-Mail einen direkten Link zu den Profileinstellungen.

Und Experian?

Wir von Experian informieren Sie über verschiedene Kanäle über die anstehende Deaktivierung der Domain durch den ISP und stehen Ihnen immer gerne mit Rat und (auf Wunsch) Tat zur Seite.

Technisch gesehen gehen wir nüchtern mit der Sache um. Der Service wird komplett eingestellt, und ab 12. oder 13. Januar 2016 werden E-Mail-Adressen mit der genannten Domain nicht mehr erreichbar sein. Die zu erwartende, relativ hohe Hardbounce-Rate wird nicht reputationskritisch sein. Aber wir vom Deliverability-Team würden uns sicher nicht widersetzen, wenn Sie die betroffenen Adressdaten im System deaktivieren (oder uns dazu beauftragen).

Marketing-Kampagne im Gewand von Listenhygiene

Listenhygiene ist wichtig, und sie eröffnet sogar neue Möglichkeiten. Mit der Ankündigung der Einstellung des Emaildienstes bekommt nämlich Ihre E-Mail mehr Gewicht beim Leser als sonst. Und Sie können nur gewinnen: Einerseits räumen Sie Ihre Liste auf, anderseits können Sie auch eine Reaktivierungskampagne im Gewand einer wichtigen Information starten, die vorrangig erst mal nichts mit Werbung oder Marketing zu tun hat. Entsprechend erfolgreicher dürfte diese Kampagne auch sein. Und darum geht’s am Ende doch immer.

Happy Marketing!