Kfz-Versicherungen: Warum historische Schadensdaten im Underwriting nicht mehr ausreichen
Die Anforderungen an das Kfz-Underwriting haben sich grundlegend verändert. Während Risikobewertungen lange Zeit vor allem auf historischen Schadensdaten basierten, erfordern heutige Marktbedingungen einen deutlich umfassenderen Blick. Welche Faktoren heute über Profitabilität, Wachstum und Resilienz im Kfz-Geschäft entscheiden, erfahren Sie hier.
Das Wichtigste im Überblick:
- Historische Daten allein sind im Kfz-Neugeschäft begrenzt und zu vage
- Underwriting kann von ergänzenden Parametern und Datenquellen profitieren
- Informationen zu Bonität, Betrugsrisiko, Loyalität und langfristigem Kundenwert liefern wertvolle Details für die moderne Risikoprüfung
Erhöhtes Kostenrisiko fordert neue Parameter in der Prüfung
Im Kfz-Neugeschäft steht heute vor allem das Kostenrisiko im Fokus. Schäden werden teurer, viele Kunden reagieren preissensibel und Betrug verursacht zusätzliche finanzielle Belastungen. Für Versicherer reicht es daher nicht mehr aus, lediglich die Schadenwahrscheinlichkeit zu betrachten. Entscheidend ist, ob ein Versicherungsnehmer insgesamt profitabel ist und sich unter veränderten Marktbedingungen stabil entwickelt.
Neben der klassischen Risikoprüfung gewinnen deshalb Informationen zu Zahlungsfähigkeit, Betrugsrisiko, Loyalität und langfristigem Kundenwert an Bedeutung. Sie ermöglichen eine differenziertere Bewertung und schaffen die Grundlage für fundierte Underwriting-Entscheidungen.
Welche Faktoren Profitabilität, Wachstum und Resilienz beeinflussen
Profitabilität, Wachstum und Resilienz bleiben die zentralen Steuerungsgrößen im Kfz-Geschäft. Um sie zu beurteilen, werden heute jedoch weitere Faktoren berücksichtigt, die über die reine Schadenwahrscheinlichkeit hinausgehen.
1. Profitabilität: Mehr als die Schadenswahrscheinlichkeit
Die Frage, die sich das Underwriting bei einer Entscheidung über einen Kfz-Versicherungsantrag stellen muss, ist: „Wie lässt sich das erwartete Risiko wirtschaftlich tragfähig und fair bepreisen?“ Neben der Schadenwahrscheinlichkeit muss die Prämie auch die zu erwartenden Schadenskosten decken. Das gilt umso mehr, weil die Schadeninflation von Jahr zu Jahr steigt und extreme Wetterereignisse wie Sturm oder Hagel zu zusätzlichen Belastungen führen können.
Darüber hinaus spielen weitere Risikofaktoren eine wichtige Rolle in der Bewertung:
- Zahlungsfähigkeit: Bonitätsmerkmale können das Risikobild schärfen und helfen, Zahlungsausfälle frühzeitig zu erkennen. Dadurch lassen sich Prämien-, Storno- und Inkassorisiken besser steuern.
- Betrugsrisiko: Die frühzeitige Identifikation auffälliger Muster reduziert finanzielle Schäden und unnötige Prozesskosten.
2. Wachstum: Langfristiges Entwicklungspotenzial
Neben der kurzfristigen Profitabilität zählt auch das langfristige Entwicklungspotenzial eines Kunden. Versicherungsnehmer mit schwacher Bonität und hoher Wechselbereitschaft erfordern andere Maßnahmen als loyale Kunden mit starker Bonität und geringer Abwanderungsneigung.
Im ersten Fall lohnt es sich nicht, den Kunden langfristig mit Rabatten zu halten. Das würde zulasten der Profitabilität gehen. Der zweite Kunde bietet dagegen Entwicklungspotenzial. Mit gezielten Services und passenden Cross-Selling-Angeboten lässt sich seine Bindung an den Kfz-Versicherer stärken. Hier können Daten wie der Deckungsbeitrag, die Vertragsdauer oder weitere Versicherungsverträge beim selben Anbieter die entsprechenden Hinweise für das Cross-Selling-Potenzial des Kunden liefern.
3. Resilienz: Stabilität in unsicheren Zeiten
Inflation, geopolitische Krisen und volatile Kostenstrukturen erhöhen den Druck auf Versicherer. Gerade deshalb haben vergangenheitsbasierte Daten hier nur eine begrenzte Aussagekraft. Entscheidend ist vielmehr, wie stabil ein Kunde in solchen unsicheren Zeiten ist. Wird er bei Preissteigerungen zur Konkurrenz wechseln? Bleibt er weiterhin zahlungsfähig oder besteht ein Ausfallrisiko?
Aktuelle externe Daten und Bonitätsscores helfen dabei, die Kundenbindung gezielter zu steuern. Sie ergänzen reine Abwanderungsquoten um zusätzliche Hinweise zur Profitabilität und helfen, preissensible von risikoreicheren Kundensegmenten zu unterscheiden.
Außerdem lassen sich so Rabatte auf die richtigen Segmente fokussieren. Das reduziert ebenfalls die Risiken im Portfolio. Eine passendere Ansprache verbessert zudem die Kundenerfahrung und kann damit auch die Kundenzufriedenheit erhöhen.
Die wichtigsten Zusatzparameter für das Kfz-Underwriting
Bonitäts-, Betrugs- und Loyalitätsmerkmale sowie Kennzahlen zum Kundenwert ergänzen die klassische Risikobetrachtung. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Parameter, ihre Datengrundlagen und ihren Nutzen für das Kfz-Underwriting.
Ganzheitliche Risikobewertung entsteht durch die Verknüpfung der Daten
Bonitätsinformationen, Betrugsindikatoren, Loyalitätsmerkmale und Kennzahlen zum Kundenwert entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie gemeinsam in Entscheidungsprozesse für
Pricing, Underwriting, Schadenmanagement, Vertrieb und Kundenbindung einfließen. Der Trend ist klar: Zusätzliche Daten ermöglichen Versicherern eine präzisere Risikosteuerung und eröffnen zugleich neue Potenziale für Wachstum und Kundenbindung. Besonders wertvoll sind dabei Informationen, die über die am Markt üblichen Daten hinausgehen. Experian stellt hierfür exklusive Datenbestände und Analysen bereit, die zusätzliche Einblicke in Risiken, Kundenpotenziale und Profitabilität ermöglichen.
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Xenia Jirnova
Senior Account Manager
xenia.jirnova@experian.com
